Die Unabhängigkeitserklärung eines Entrepreneurs: Von der Freude am Arbeiten als Wettbewerbsvorteil

Mit dem Vorhaben, sich mit einem eigenen Unternehmen selbständig zu machen, kommt jeder Ratgeber gerade recht – und so ist auch Günter Faltins “Kopf schlägt Kapital. Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen. Von der Lust, Entrepreneur zu sein“ mit in die vorbereitende Lektüre eingeflossen. Eine gute Entscheidung, denn das Buch gibt nicht nur neue Einsichten und brauchbare Ratschläge, sondern weckt tatsächlich die Leselust.

Faltin ist Professor für Unternehmensgründung an der Freien Universität Berlin und selbst Gründer mehrerer Firmen; unter anderem ist seine im Buch als Fallbeispiel beschriebene „Teekampagne“ mittlerweile der weltweit größte Importeur von Darjeeling-Tee.

Der Untertitel des Buches „Von der Lust, Entrepreneur zu sein“, gibt in einem kurzen Satz dessen Botschaft wider. Faltin beschreibt in seinem Ratgeber, wie eine Unternehmensgründung nicht in erster Linie von Kapital, wirtschaftlichem Know-how und einem möglichst ausgeklügelten Business-Plan abhängt – ganz im Gegenteil: Lust und Freude am eigenen Tun stehen im Vordergrund. Dennoch ist dies hier kein „Spaßbuch“, sondern ein ernstgemeinter Ratgeber für alle, die mit dem Gedanken spielen, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen. Dabei nimmt der Begriff „Entrepreneurship“ eine zentrale Funktion ein.

Nach Faltin ist es unerlässlich, Entrepreneurship von Business Administration zu unterscheiden. Da die deutsche Sprache diese Unterscheidung nicht zulässt, verwendet er durchgehend „Entrepreneur“ statt „Unternehmer“. Dieser Begriff betont den kreativen, innovativen Teil einer Neugründung, der gegenüber den organisatorischen und verwaltenden Aspekten eindeutig im Vordergrund steht. Trotz diesem alternativen Ansatz ist es Faltin ein Anliegen, auf die Risiken und die Verantwortung, die in einer Neugründung liegen, hinzuweisen. Die bekannte Aufforderung „Seien Sie risikobereit“ möchte er so nicht stehenlassen. Vielmehr sollten Gründer so viele Risiken wie nur möglich vermeiden. Faltin nennt Praxisbeispiele erfolgreicher Firmengründungen, unter anderem seine „Teekampagne“, die eines gemeinsam haben: Am Anfang steht eine durchdachte Idee, die nicht über Nacht entstanden ist. Auch Nachahmung sei kein Ansatz, um auf Dauer erfolgreich zu sein. Vielmehr sollten Neugründer auf den Markt schauen und beobachten, wo Bedarf entsteht und daraus eine neue Idee entwickeln. Dafür braucht man Zeit, Beobachtungsgabe und Geduld. Die oft gestellt Frage: „Warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen?“ beantwortet Faltin einfach – weil erfolgreiche Gründungen ein gutes und ausgereiftes Konzept brauchen. Und das braucht Zeit und Durchhaltevermögen, um alle Aspekte gegeneinander abzuwägen und althergebrachtes Denken aufzugeben. Denn Kapital und betriebswirtschaftliche Kenntnisse alleine machen noch keinen guten Entrepreneur aus.

Dafür aber die Lust am eigenen Schaffen und am kreativen Denkprozess. In diesem Zusammenhang spielen auch die eigenen Wertvorstellungen und Ziele eine wichtige Rolle. Erfolgreiche Entrepreneure haben nicht nur erfolgreiche Geschäftsideen, sondern leben mit ihren persönlichen Einstellungen und Werten im Einklang. Bestes Beispiel hierfür ist Professor Muhammad Yunus, der ein Programm entwickelte, das Armen mithilfe von Kleinstkrediten in die Lage versetzt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Dafür erhielt Yunus sogar den Friedensnobelpreis.

Faltins eigene „Teekampagne“, geht seit 1985 einen Sonderweg: Das eingeschränkte Sortiment an Darjeeling-Tees, die nur in Großpackungen und ohne Zwischenhändler verkauft werden, ermöglichen außergewöhnlich günstige Preise. Eine Win-win-Strategie zum Vorteil für Hersteller und Kunden.

Faltin gibt seinen Lesern die folgenden drei Ratschläge für eine erfolgreiche Betriebsgründung mit auf den Weg, die er als „Declaration of Independence“ an das Ende des Buches stellt:

  • Wir erkennen das Primat der Betriebswirtschaftslehre nicht länger an.
  • Wir gehen im eigenen Interesse sparsam und vernunftgeleitet mit unseren finanziellen Mitteln um.
  • Wir verstehen die Betriebswirtschaftslehrer als willkommene Partner, uns bei der Verwirklichung unserer Ziele zur Seite stehen.

Ich wünsche viel Freude bei der Lektüre, die man sich während der zunehmend kühler werdenden Herbsttage idealerweise auf der Couch zusammen mit einer Tasse Darjeeling-Tee zu Gemüte führen kann …

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